Batteriespeicher als Schlüssel zur Energiewende: 10 Fragen an Michael Altrichter von Hallo Energie

Während der Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen europaweit voranschreitet, rückt eine andere Technologie zunehmend in den Mittelpunkt: Batteriespeicher. Sie gelten als entscheidender Baustein, um erneuerbare Energie dann verfügbar zu machen, wenn sie tatsächlich benötigt wird, und um die Stabilität der Stromnetze langfristig sicherzustellen.

Mit dem Projekt „Batteriespeicher Göming“ entwickelt die Hallo Energie FlexCo einen Großspeicher mit 20 MW Leistung und 40 MWh Speicherkapazität am Umspannwerk Göming in Salzburg. Das Unternehmen rund um Gründer und Business Angel Michael Altrichter verfolgt dabei das Ziel, die notwendige Flexibilitätsinfrastruktur für ein erneuerbares Energiesystem aufzubauen.

Im Interview spricht Michael Altrichter über die Entwicklung von Hallo Energie, die wirtschaftlichen Chancen von Batteriespeichern, die Besonderheiten des Standorts Göming sowie die Rolle von Investor:innen bei der Finanzierung der Energiewende. Die Aussagen basieren auf dem Interviewmaterial des Unternehmens.

 

Michael Altrichter – Investor & Energiewende-Macher
Michael Altrichter – Investor & Energiewende-Macher

Hallo Energie gibt es seit 2021 — und das Unternehmen hat in dieser kurzen Zeit bereits 11 PV-Kraftwerke und zwei Batteriespeicher umgesetzt. Was war das Gründungsmotiv, und wie hat sich die Strategie seitdem entwickelt?
Mein Antrieb war von Anfang an eine simple Überzeugung: Die Energiewende scheitert nicht an der Technologie — die ist da. Sie scheitert an der Umsetzung und am Kapital. Genau da wollte ich ansetzen, mit unternehmerischem Tempo statt mit Absichtserklärungen.

Wir sind mit Photovoltaik gestartet, weil das schnell skalierbar und ehrlich kalkulierbar ist. Diese 11 Kraftwerke waren unser Fundament — und unsere Lernkurve im Umgang mit Flächen, Netzbetreibern und Behörden. Da haben wir verstanden, wie dieses System wirklich tickt.

Uns ist schnell klar geworden, dass der eigentliche Engpass im Stromnetz gar nicht mehr unbedingt die Erzeugung ist. Wir haben mittlerweile reichlich grünen Strom — wir haben ihn nur zur falschen Zeit. Der Engpass ist die Flexibilität. Strom dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird.

Deshalb haben wir den Schwerpunkt auf Batteriespeicher verlagert. Wir sind vom reinen Erzeuger zum Betreiber von Flexibilitäts-Infrastruktur geworden. Das ist für mich das spannendste und wirtschaftlich attraktivste Feld der nächsten zehn Jahre — und Göming ist genau dieser nächste Schritt.

 

Batteriespeicher Göming ist ein konkretes Einzelprojekt mit 20 MW Leistung. Was macht diesen Standort am Umspannwerk Göming interessant — und wie findet Hallo Energie solche Projekte?
Das Entscheidende an Göming ist die Lage: direkt am Umspannwerk. Das klingt unspektakulär, ist aber Gold wert — kurze Anbindung, kaum Netzverluste, und wir können in Millisekunden auf Signale aus dem Netz reagieren.

Ein freier, leistungsfähiger Netzanschlusspunkt ist heute der knappste Rohstoff der ganzen Branche. Darum reißen sich alle. Wer den hat, hat das halbe Projekt gewonnen. Genau das macht Göming so wertvoll.

20 MW ist dabei eine sehr bewusste Größe: groß genug, um im Regelenergie- und Spotmarkt voll mitzuspielen, aber genehmigungs- und kapitalseitig noch absolut beherrschbar. Das ist der Sweet Spot für uns.

Und wie wir solche Standorte finden? Das ist kein Zufall, das ist Handwerk. Wir haben ein Netzwerk aus Grundeigentümern, Gemeinden und Netzbetreibern und screenen systematisch Umspannwerks-Standorte mit freier Kapazität. Anders als reine Finanzinvestoren bewerten wir das technisch und regulatorisch selbst — und sichern die Voraussetzungen früh ab, bevor andere überhaupt aufwachen.

 

Das Geschäftsmodell basiert auf Strom-Arbitrage und Regelenergiemarkt. Wie viel Planbarkeit steckt dahinter, und welche Rolle spielen dabei die Vermarktungspartner Enspired und CyberGrid?
Wir stehen auf zwei Beinen. Das eine ist Arbitrage — ganz einfach gesagt: günstig laden, wenn die Sonne scheint und der Strom fast nichts kostet, und teuer einspeisen, wenn er knapp ist. Und je mehr Wind und PV ins Netz kommen, desto größer werden diese Preisspreads. Die Volatilität, die andere fürchten, ist unser Geschäftsmodell.

Das zweite Bein ist die Regelenergie — das ist die planbarere, stabilere Komponente. Da stellen wir dem Netzbetreiber Leistung zur Verfügung, um das Netz stabil zu halten, und werden dafür vergütet. Auch dann, wenn wir gar nicht aktiviert werden. Das ist verlässlicher Cashflow.

Und hier kommen unsere Partner ins Spiel: Enspired handelt für uns vollautomatisch und KI- gestützt im Intraday-Markt und holt dort das Maximum aus jeder Marktbewegung. CyberGrid übernimmt die Aggregation und Präqualifikation für den österreichischen Regelenergiemarkt und die technische Anbindung an die APG.

Das Schöne daran: Eine Software entscheidet sekündlich, ob eine Megawattstunde gerade im Spotmarkt oder im Regelmarkt mehr wert ist, und schickt sie dorthin. Diese Multi-Markt- Strategie verteilt das Risiko und macht die Erlöse deutlich robuster, als es eine einzelne Quelle je könnte.

 

Die wesentlichen Projektvoraussetzungen — Pachtvertrag, Netzanschluss, Flächenumwidmung — sind bereits gesichert. Was ist der nächste konkrete Meilenstein bis zur Inbetriebnahme?
Das Wichtigste zuerst: Die riskanteste Phase liegt hinter uns. Fläche, Umwidmung, Netzzusage — das sind genau die Punkte, an denen die meisten Projekte jahrelang hängen oder ganz scheitern. Bei uns stehen sie. Deshalb ist das Projekt überhaupt jetzt investierbar.

Der nächste konkrete Schritt ist, die Gesamtfinanzierung zu schließen — und dazu gehört auch die Beteiligung der Öffentlichkeit über die Crowd.

Parallel dazu vergeben und bestellen wir die Hauptkomponenten — die Batterie-Container, die Wechselrichter, den Trafo — und fixieren das Lieferfenster. Danach geht es in den Bau vor Ort und an den Anschluss ans Umspannwerk.

Und der finale Meilenstein ist dann die Präqualifikation und die Netzfreigabe. Ab dem Moment läuft die kommerzielle Inbetriebnahme — und der Speicher fängt an, Geld zu verdienen.

 

Die Emission über investing green macht rund 5 % der Gesamtfinanzierung aus. Wer finanziert die restlichen 95 %, und warum ergänzt man das durch eine Beteiligung der Öffentlichkeit?
Der Löwenanteil kommt aus klassischer Projektfinanzierung — Eigenkapital von uns und unseren Partnern und Fremdkapital von der Bank. Das ist solide, etabliert, durchgerechnet.

Die rund 5 % über investing green sind ganz bewusst kein Lückenbüßer. Wir bräuchten das Geld nicht zwingend von der Crowd. Wir wollen es so.

Denn für mich gehört die Energiewende nicht nur den Banken und Institutionen. Sie gehört den Menschen. Und wer das System mitträgt, soll auch an den Erträgen teilhaben können — schon mit kleinen Beträgen.

Das hat auch einen sehr handfesten Effekt: Lokale Beteiligung schafft Akzeptanz. Wer mitverdient, trägt das Projekt mit. Und ehrlich gesagt werden aus Investorinnen und Investoren oft unsere besten Botschafter für die nächsten Projekte. Das ist Energiewende zum Mitmachen — und genau so muss sie funktionieren.

 

Der Flexibilitätsmarkt wächst strukturell, weil erneuerbare Energien schwanken. Wie stabil sind die Erlöse aus Arbitrage und Regelenergie tatsächlich — gibt es Absicherungen oder Mindesterlöse?
Da will ich ganz ehrlich sein: Es gibt keine staatlich garantierte Einspeisevergütung wie früher bei der klassischen PV. Die Erlöse sind marktbasiert. Wer eine Staatsgarantie sucht, ist bei uns falsch.

Aber genau das ist kein Schwachpunkt, sondern der Kern der Sache. Der Markt belohnt exakt die Flexibilität, die das Stromsystem in Zukunft dringender braucht als alles andere. Wir sitzen auf der richtigen Seite dieses Trends.

Stabilität entsteht bei uns durch Diversifikation — über mehrere Märkte hinweg, Spot, Intraday, Regelenergie, und über die Zeit verteilt. Wir setzen nie alles auf eine Karte. Dazu kommen erfahrene Vermarkter wie Enspired und CyberGrid und bewusst konservative Annahmen in unserer Kalkulation.

Und der große strukturelle Treiber arbeitet für uns: Je mehr Erneuerbare ins Netz kommen, desto volatiler die Preise, desto wertvoller der Speicher. Natürlich bleiben Risiken — sinkende Spreads bei massivem Ausbau, regulatorische Änderungen — und die weisen wir transparent aus. Aber die Richtung stimmt, und sie stimmt für die nächsten Jahrzehnte.

 

Hallo Energie hat sich als Unternehmen vollständig auf Energieinfrastruktur spezialisiert. Wie sieht die Pipeline nach Göming aus — was kommt als nächstes?
Göming ist für mich eine Blaupause, kein Endpunkt. Das Modell, das wir hier gebaut haben, lässt sich übertragen — und genau das ist der Plan.

Unser Fokus liegt auf weiteren netznahen Speicherstandorten an Umspannwerken mit freier Kapazität. Wir wissen jetzt sehr genau, wonach wir suchen, und wir sind schnell.

Der große Hebel ist Standardisierung: gleiches technisches Setup, gleicher Vermarktungs- Stack. Das senkt die Kosten und macht jedes weitere Projekt schneller umsetzbar als das davor. So skaliert man.

Dabei wachsen wir bewusst projektweise und durchfinanziert — Qualität und Bankfähigkeit gehen bei mir vor Tempo um jeden Preis. Aber das Ziel ist klar: aus einzelnen Anlagen wird ein Portfolio, und aus dem Portfolio wird eine echte Flexibilitäts-Plattform für Österreich.

 

Michael Altrichter ist als Business Angel bekannt, bevor er Hallo Energie gegründet hat. Inwiefern prägt diese Investoren-Perspektive, wie das Unternehmen gebaut wird?
Ich habe als Business Angel hunderte Geschäftsmodelle gesehen und bewertet. Das schärft den Blick enorm — für Risiko, für Kapitaleffizienz, für die Frage, was wirklich skaliert und was nur eine schöne Geschichte ist.

Diese Brille setze ich auch bei Hallo Energie auf. Wir denken immer vom Investor her: Was muss stimmen, damit ein Projekt wirklich bankfähig ist und fair für alle Beteiligten? Wenn ich selbst nicht investieren würde, biete ich es auch niemand anderem an.

Daraus folgt eine eiserne Disziplin: Erst die Voraussetzungen absichern — Fläche, Netz, Umwidmung — und dann erst Kapital einsammeln. Nicht umgekehrt. Und Transparenz ist für mich Pflicht, gerade bei den Risiken. Investoren spüren sofort, ob jemand ehrlich rechnet.

Was bleibt, ist die Unternehmer-Mentalität: schnell entscheiden, Chancen wie einen freien Netzanschluss konsequent packen, solange das Fenster offen ist. Diese Mischung aus Investoren-Disziplin und unternehmerischem Mut — das ist im Grunde unsere DNA.

 

Batteriespeicherprojekte sind kapitalintensiv und stark von Regulatorik abhängig. Was war bisher die größte operative Hürde — und wie wurde sie gelöst?
Die größte Hürde ist fast immer dieselbe: der Netzanschluss. Die Kapazitäten sind knapp, die Verfahren mit den Netzbetreibern dauern, und genau hier verlieren viele Projektentwickler Jahre — oder das ganze Projekt.

Unsere Antwort in Göming war, früh den richtigen Standort direkt am Umspannwerk zu wählen und die Anschlusszusage dann konsequent abzusichern, bevor wir alles andere aufbauen. Das war die entscheidende Weiche.

Die zweite Hürde war die Flächenumwidmung und Genehmigung. Da hilft kein Tricksen, sondern nur das Gegenteil: enge, frühe und offene Abstimmung mit Gemeinde und Behörden. Wenn die Menschen vor Ort verstehen, was da entsteht, geht plötzlich vieles.

Und die Kapitalintensität? Die haben wir entschärft, indem wir nie von einer einzigen Quelle abhängig sind — Eigenkapital, Bank und Publikumsbeteiligung greifen ineinander. Das Grundprinzip dahinter ist immer gleich: Risiken Schritt für Schritt abräumen und erst dann finanzieren, wenn die kritischen Punkte stehen.

 

Was soll Hallo Energie in fünf Jahren sein — und welche Rolle spielen dabei Investor:innen, die heute in Göming einsteigen?
In fünf Jahren will ich, dass Hallo Energie einer der relevanten unabhängigen Betreiber von Flexibilitäts-Infrastruktur in Österreich ist. Nicht ein Unternehmen mit einem Vorzeigeprojekt, sondern mit einem ganzen Portfolio an Speichern.

Speicher werden das Rückgrat des erneuerbaren Stromsystems sein. Wind und Sonne liefern die Energie — aber wir liefern die Stabilität, ohne die das Ganze nicht funktioniert. Das ist eine der wichtigsten Infrastrukturaufgaben unserer Zeit.

Und wer heute in Göming einsteigt, ist von Anfang an Teil dieser Geschichte. Reale, physische Infrastruktur, die man anfassen kann und die jeden Tag Wert schafft.

Göming ist der Einstieg — ein konkretes Projekt mit gesicherten Voraussetzungen, das den Track Record für alles Weitere legt. Mein Anspruch ist dabei kompromisslos: ordentliche Rendite und ein messbarer Beitrag zur Energiewende. Das eine geht nicht ohne das andere — und genau das macht es für mich so spannend.

 

Für Investor:innen bietet sich damit die Möglichkeit, sich an einem konkreten Infrastrukturprojekt im Bereich der erneuerbaren Energien zu beteiligen. Die Emission erfolgt in Form eines dreijährigen nachrangigen Darlehens mit 4,0 % Verzinsung pro Jahr. Die Crowd finanziert dabei rund 5 % des Gesamtprojekts und unterstützt den Aufbau eines Batteriespeichers, der künftig einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten soll.

Weitere Informationen zum Projekt, den Chancen und Risiken der Investition sowie die vollständigen Emissionsunterlagen finden Interessierte auf der Kampagnenseite.


Karin Turki

Beitrag von

Karin Turki

in Uncategorized


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